Die Geschichte der Binnenschifferausbildung in Mitteldeutschland

 

Um den ständig steigenden Ansprüchen an eine sichere Elbeschifffahrt entsprechen zu können, wurden schon 1885 in Sachsen und Böhmen sowie 1887 in Preußen die ersten 


                              „Schifferfachschulen“  

gegründet. Aufgrund der großen Nachfrage und der erzielten Ergebnisse bei der Schulung der Schiffsjungen, aber auch bei den Vorbereitungslehrgängen für das „Schifferpatent“ der älteren Binnenschiffer, entwickelten sich in zunehmender Anzahl die Schifferfachschulen in den Ballungsorten und Schifferdörfern entlang der Elbe, Oder, Saale und den Märkischen Wasserstraßen.

 

Die lehrgangsmäßigen Beschulungen fanden vor allem in den Wintermonaten statt, in denen aufgrund der vereisten Binnengewässer keine Schifffahrt durchführbar war.

 

Seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts waren bereits einheitliche Lehrverträge, Lehrpläne und auch Prüfungskommissionen gesetzlich verbindliche Grundlagen für die berufliche Aus- und Weiterbildung in der Binnenschifffahrt!

 

 

 

Gebäude der alten Schifferschule

Nach dem Ende des II. Weltkrieges ging es auf dem Gebiet der späteren DDR zunächst darum, den Verkehr auf den Wasserstraßen wieder in Gang zu bringen – gesprengte Brücken und versenkte Fahrzeuge behinderten die Schifffahrt.

 

Aber schon 1948 wurden erste Beratungen bezüglich einer Nachwuchsgewinnung und deren Ausbildung durchgeführt. Am 1. September 1949 begann die Bootsmannsausbildung in Schönebeck – Grünewalde. Diese neue Betriebsberufsschule der DSU konnte jedoch bald die Nachfrage nach ausgebildetem Nachwuchs für die sich rasant entwickelnde Binnenschifffahrt der DDR nicht mehr abdecken. 1955 begann der Neubau eines Schul- und Internatsgebäudes in Schönebeck – Frohse für 200 Lehrlinge! 

 

Am 1. März 1957 begann der Schulbetrieb in der neuen Ausbildungsstätte. Die Lehrlinge erhielten dort das theoretische Grundwissen, aber auch die berufspraktischen Grundlagen vermittelt, bevor sie auf den Lehrschiffen unter Anleitung erfahrener Schiffsführer ihr berufliches Wissen und Können vervollkommneten. Die Einführung der Schubschifffahrt und die weitere Motorisierung der Flotte verlangten nach Verbesserung der Ausbildungsstruktur und neuen Lehrplänen. Die Lehrlinge wurden nach der  berufstheoretischen und praktischen Ausbildung in Frohse, auch auf den dort von der Deutschen Binnenreederei zur Verfügung gestellten Lehrschiffen, zur „Speziellen Ausbildung“ auf den Produktionseinheiten der Flotte eingesetzt.

Neben der Berufsausbildung von Lehrlingen wurden seit Anfang der 50er Jahre eine Aus- und Weiterbildung der Werktätigen in der Binnenschifffahrt betrieben. Die DSU hatte in Magdeburg eine technische Betriebsschule eingerichtet, um die erwachsenen Mitarbeiter auf die gestiegenen Anforderungen der modernen, motorisierten Binnenschifffahrt vorzubereiten. Ab 1964 übernahm die neu gebildete Betriebsakademie der DBR diese Aufgaben; zunächst in Magdeburg, später dann in Schönebeck – Frohse nach Zusammenlegung der beiden Ausbildungsstätten zu einer Betriebsschule der gesamten Binnenschifffahrt in der DDR. 

 

In den Wirren der Nachwendezeit und mit der Privatisierung der Binnenschifffahrt in den „Neuen Ländern“ stand auch die „Abwicklung“ der Binnenschifferausbildung in Schönebeck zur Debatte. 

 

Das konnte jedoch politisch verhindert werden. Heute ist die schulische Ausbildung der zukünftigen Binnenschiffer vor allem aus dem „Beitrittsgebiet“ mit der Spezialisierung für die mitteldeutschen Wasserstraßen ein fester Bestandteil der „Berufsbildenden Schule des Landkreises Schönebeck“!

Eingangsbereich zur Berufsbildenden Schule Schönebeck

                   

 

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